In den letzten Wochen und Monaten habe ich ein- bis zweimal pro Woche eine Doppelstunde Polnisch an einer privaten Sprachschule gehabt. Sie befindet sich im Untergeschoss eines Nachbargebäudes des Legnitzer Schlosses. Im April habe ich während einer Busfahrt das Schild im hintersten Fenster entdeckt, dass anzeigt, dass es hier auch Polnischunterricht gibt. Davor habe ich lange vergeblich im Internet mit Freundinnen nach Polnischunterricht in Legnica gesucht.
Am Montag war der letzte Unterricht und meine Lehrerin erzählte mir die Ansichten eines polnischen Linguistikprofessors zu seiner Muttersprache: die polnische Sprache sei wie ein riesiger, unübersehbarer Bahnhof...
Die Einheimischen kennen sich trotz des Chaos gut aus und finden ihren Weg, ohne überlegen zu müssen. Touristen, die das erste Mal ankommen oder noch nicht lange in der Stadt wohnen, sind meistens erst einmal hoffnungslos verloren und brauchen viel Geduld, um ihr Ziel zu finden. Ich merke, dass ich schon einen Plan des riesigen Bahnhofsgebäudes in der Hand habe und auch manchmal meinen Weg richtig finde. Das ist ein gutes Gefühl, wenn mich die Menschen hier tatsächlich verstehen und ich Gespräche führen kann! Oft klappts aber auch noch nicht so gut und ich schaue in fragende Gesichter. Auch wenn meine Zeit in Polen zu Ende geht, werde ich mich definitiv weiter mit der Sprache beschäftigen!
Es gibt viele Dinge, die mir richtig gut gefallen. Zum Beispiel, dass man im Polnischen für Alles und Jeden eine Verniedlichungsform finden kann. So heißt ein Kuchen "ciasto", etwas kleiner ein Keks "ciastko" (Küchlein) und Teil eines Kekses "ciasteczko" (Küchelchen). Auch gibts hier nicht viele Katzen ("kot"), sondern eher Kätzchen ("kotek"). Dieses Prinzip lässt sich nicht nur auf Gegenstände anwenden, sondern wird von den Polen auch unheimlich gern für Vornamen genutzt. Die Schüler werden von ihren Lehrern selten mit dem im Klassenbuch stehenden Namen angeredet (was für mich beim Namenlernen am Anfang der Zeit hier nicht ganz einfach war), sondern mit der liebevolleren Koseform. Aus Jakub wird ein Kuba, Kacper ist Kacperek, Alicja ist Ala, Bartosz wird mit Bartek gerufen und Arkadiusz mit Arek. In Polen ist es überhaupt nicht unhöfflich, eine ältere Person mit Frau/ Herr (Pani/ Pan) plus Vornamen anzureden. Der Vorname wird in dieser Form ebenfalls oft verniedlicht. So war ich für viele der Schüler "Pani Berna" und für die Lehrer "Berna" oder "Benia" :-D.
Leider gibt es in der polnischen Sprache aber auch grammatische Kniffe, die jedem Ausländer einen Schauer über den Rücken laufen lassen. SIEBEN Fälle, die oft anders eingesetzt werden als im deutschen (nach allen Zahlenangaben mit den Endziffern 2-4 folgt der Plural Nominativ, bei allen anderen der Plural Genitiv) und noch dazu nicht nur verschiedene Formen für männliche, weibliche und sächliche Substantive aufweisen wie bei uns, das wär ja langweilig. Es wird auch noch in bestimmten Fällen unterschieden nach männlich-belebten und männlich-unbelebten Substantiven oder "Gruppen mit mindestens einem Mann" bzw. "Gruppen bestehend aus Gegenständen und Personen ohne einen Mann" - die dann jeweils unterschiedliche Endungen annehmen müssen. Beachtet man zusätzlich, dass die Adjektive (dem Geschlecht des jeweiligen Substantivs angepasst) genauso wie die Substantive dekliniert werden müssen, kommt man auf 84 verschiedene Formen und Endungen - das hat zumindest Steffen Möller in seinem Buch "Viva Polonia" (siebte Auflage 2008, S. 291) ausgerechnet. Sein Aufsatz "Sprache" in eben jenem Werk ist sehr lesenswert. Achso, natürlich gibts wie in allen slawischen Sprachen noch jedes Verb in zwei Formen, zwei "Aspekten" - unvollendet und vollendet. Es ist ein Unterschied, ob ich ein Buch nur gelesen (czytać) habe - also mal drin geblättert, vielleicht ein paar Seiten gelesen habe - oder ausgelesen habe (przeczytać) - also komplett von vorne bis hinten, vollendet eben. Klar?! ;-) Die Erkenntnis, dass es im Polnischen nur die drei Zeitformen Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft gibt und die (soweit ich weiß) ziemlich regelmäßig gebildet werden, macht die Verzweiflung oft auch nicht kleiner.
Leider gibt es in der polnischen Sprache aber auch grammatische Kniffe, die jedem Ausländer einen Schauer über den Rücken laufen lassen. SIEBEN Fälle, die oft anders eingesetzt werden als im deutschen (nach allen Zahlenangaben mit den Endziffern 2-4 folgt der Plural Nominativ, bei allen anderen der Plural Genitiv) und noch dazu nicht nur verschiedene Formen für männliche, weibliche und sächliche Substantive aufweisen wie bei uns, das wär ja langweilig. Es wird auch noch in bestimmten Fällen unterschieden nach männlich-belebten und männlich-unbelebten Substantiven oder "Gruppen mit mindestens einem Mann" bzw. "Gruppen bestehend aus Gegenständen und Personen ohne einen Mann" - die dann jeweils unterschiedliche Endungen annehmen müssen. Beachtet man zusätzlich, dass die Adjektive (dem Geschlecht des jeweiligen Substantivs angepasst) genauso wie die Substantive dekliniert werden müssen, kommt man auf 84 verschiedene Formen und Endungen - das hat zumindest Steffen Möller in seinem Buch "Viva Polonia" (siebte Auflage 2008, S. 291) ausgerechnet. Sein Aufsatz "Sprache" in eben jenem Werk ist sehr lesenswert. Achso, natürlich gibts wie in allen slawischen Sprachen noch jedes Verb in zwei Formen, zwei "Aspekten" - unvollendet und vollendet. Es ist ein Unterschied, ob ich ein Buch nur gelesen (czytać) habe - also mal drin geblättert, vielleicht ein paar Seiten gelesen habe - oder ausgelesen habe (przeczytać) - also komplett von vorne bis hinten, vollendet eben. Klar?! ;-) Die Erkenntnis, dass es im Polnischen nur die drei Zeitformen Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft gibt und die (soweit ich weiß) ziemlich regelmäßig gebildet werden, macht die Verzweiflung oft auch nicht kleiner.
Zum Glück gibt es viele Möglichkeiten, polnisch zu lernen und zu üben. Es gibt mehr und mehr Lehrwerke - von deutschen wie von polnischen Verlagen - von denen einige richtig gut sind (ich empfehle die "Hurra"-Serie). In den großen Städten werden das ganze Jahr lang relativ billige, zweiwöchige Sprachkurse mit zusätzlichem Kulturprogramm angeboten und im Kino sind die Kinderfilme synchronisiert - die Filme für die Älteren werden in Originalfassung mit Untertitel gezeigt. So, ich geh jetzt Polnisch üben, Kung Fu Panda 2 kommt im Kino.Wie sich der Film auf polnisch anhört, könnt ihr hier erfahren.
(translation coming soon)
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